Cannabisprobe wird mit Pinzette in Glasbehälter untersucht

Zwischenbericht Cannabis 2026: Aktueller Stand

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Am 1. April 2026 wurde der zweite Zwischenbericht des Forschungsverbunds EKOCAN zur Evaluation des Konsumcannabisgesetzes veröffentlicht. Zwei Jahre nach Inkrafttreten der Teillegalisierung zeichnet sich ein komplexes Bild ab: Erste Entwicklungen deuten auf strukturelle Veränderungen im Cannabismarkt hin, gleichzeitig bleiben zentrale politische Zielsetzungen nur teilweise erreicht.

Der Bericht betont ausdrücklich, dass es sich weiterhin um eine Zwischenbewertung handelt. Die vollständige Evaluation ist erst bis April 2028 vorgesehen. Viele Ergebnisse basieren bislang auf deskriptiven Analysen und lassen noch keine abschließenden Schlussfolgerungen zu.

 

🌿 Legale Bezugsquellen gewinnen an Bedeutung

Ein zentrales Ergebnis: Der Anteil von Cannabis aus grundsätzlich legalen Quellen nimmt zu.

Besonders deutlich zeigt sich dies im Bereich Medizinalcannabis. Für das Jahr 2025 wird ein theoretisch verfügbares Gesamtvolumen von rund 197,7 Tonnen angegeben – ein deutlicher Anstieg im Vergleich zum Vorjahr. Deutschland entwickelt sich damit zum größten legal-kommerziellen Cannabismarkt Europas.

Auch der Eigenanbau spielt eine zunehmend wichtige Rolle. Immer mehr Konsumierende greifen auf selbst angebaute Pflanzen zurück, während soziale Bezugsquellen weiterhin eine zentrale Rolle im Markt einnehmen.

 

🏢 Anbauvereinigungen bleiben hinter Erwartungen zurück

Ein wichtiger Bestandteil der Reform – die sogenannten Anbauvereinigungen – entwickelt sich bislang langsamer als geplant.

Bis Ende Oktober 2025 wurden bundesweit 366 Vereinigungen genehmigt. Trotz dieser Zahl ist ihre tatsächliche Reichweite begrenzt: Selbst unter optimistischen Annahmen hätten nur etwa 3,5 % der Konsumierenden Zugang über diesen Weg gehabt.

Zudem bestehen deutliche regionale Unterschiede. In mehr als der Hälfte der Landkreise gab es zu diesem Zeitpunkt noch keine einzige genehmigte Anbauvereinigung.

 

⚖️ Schwarzmarkt: Rückgang möglich, aber weiterhin präsent

Die Entwicklung des Schwarzmarkts wird im Bericht differenziert betrachtet.

Einerseits gibt es Hinweise darauf, dass illegale Strukturen teilweise an Bedeutung verlieren, da Konsumierende auf legale oder regulierte Bezugswege ausweichen. Andererseits bleibt der Schwarzmarkt weiterhin aktiv.

Ein auffälliger Indikator ist der starke Anstieg sichergestellter Cannabismengen durch den Zoll im Jahr 2025. Laut Bericht hat sich diese Menge im Vergleich zum Vorjahr mehr als vervierfacht. Gleichzeitig wird betont, dass solche Zahlen immer nur einen Ausschnitt des tatsächlichen Marktgeschehens abbilden.

 

👮 Organisierte Kriminalität: Noch keine klare Bewertung

Auch bei der Frage, wie stark organisierte Kriminalität durch die Reform beeinflusst wurde, bleibt das Bild uneindeutig.

Es gibt erste Hinweise auf Veränderungen, jedoch keine belastbaren Daten, die eine klare Aussage über eine nachhaltige Schwächung krimineller Strukturen erlauben. Gleichzeitig berichten Strafverfolgungsbehörden von veränderten Rahmenbedingungen bei Ermittlungen.

 

👶 Jugendschutz und Prävention: Neue Herausforderungen

Im Bereich Kinder- und Jugendschutz zeigt sich ein gemischtes Bild.

Die Konsumzahlen unter Jugendlichen sind bislang stabil oder leicht rückläufig. Ein deutlicher Anstieg problematischen Konsums konnte nicht festgestellt werden.

Allerdings gibt es Hinweise auf eine Schwäche bei der Frühintervention: Weniger junge Menschen gelangen in Präventionsprogramme, da der frühere Zugang über strafrechtliche Verfahren teilweise wegfällt.

 

🏥 Gesundheit & Verkehr: Keine kurzfristigen Brüche

Auch im Bereich Gesundheitsschutz zeigen sich keine abrupten Veränderungen.

Der Cannabiskonsum unter Erwachsenen folgt weiterhin einem langfristigen Trend, ohne dass ein klarer Effekt der Legalisierung isoliert nachgewiesen werden kann.

Ähnlich verhält es sich im Straßenverkehr: Es gibt keine eindeutigen Hinweise auf einen sprunghaften Anstieg cannabisbedingter Unfälle.

 

💊 Medizinalcannabis im Fokus der Kritik

Besondere Aufmerksamkeit erhält der Bereich Medizinalcannabis.

Der Bericht weist darauf hin, dass viele verfügbare Produkte einen hohen THC-Gehalt aufweisen, während die wissenschaftliche Evidenz für zahlreiche Anwendungsbereiche begrenzt bleibt. Zudem werden Onlineplattformen kritisch betrachtet, die laut Analyse teilweise auch Freizeitkonsumierende ansprechen.

Auch rechtliche Fragen – etwa im Bereich Werbung und Regulierung – werden als nicht abschließend geklärt beschrieben.

 

📉 Suchthilfe: Rückläufige Angebote trotz steigenden Bedarfs

Ein weiterer kritischer Punkt betrifft die Suchthilfe.

Während der Bedarf insbesondere bei jungen Erwachsenen steigt, zeigen Daten einen Rückgang bei ambulanten Beratungsangeboten. Der Bericht sieht hier strukturelle Defizite und weist auf eine angespannte Versorgungssituation hin.

 

🏛️ Politische Reaktionen: Unterschiedliche Bewertungen

Die politische Einordnung des Berichts fällt deutlich unterschiedlich aus:

  • Bundesregierung (teilweise unionsgeführt):
    Mehrere Ministerien sehen erheblichen Nachbesserungsbedarf. Kritisiert werden insbesondere Defizite beim Jugendschutz sowie Unklarheiten im Umgang mit Medizinalcannabis.
  • Union:
    Vertreter der Union bewerten die Teillegalisierung weiterhin grundsätzlich kritisch. Innenminister Alexander Dobrindt bezeichnete das Cannabisgesetz als Fehlentwicklung. Auch Gesundheitsministerin Nina Warken stellt die Reform insgesamt infrage und spricht sich für eine Abkehr von der aktuellen Regelung aus. Beide verweisen unter anderem auf Probleme beim Schwarzmarkt, beim Jugendschutz sowie bei der praktischen Umsetzung.
  • SPD:
    Stimmen aus der SPD sehen sich durch die Ergebnisse eher bestätigt. Sie betonen, dass befürchtete negative Effekte bislang nicht eingetreten seien.
  • Bündnis 90/Die Grünen:
    Die Grünen sehen Fortschritte, fordern jedoch Anpassungen – insbesondere beim Ausbau legaler Bezugsstrukturen wie Anbauvereinigungen.
  • Zivilgesellschaft (z. B. Interessenverbände):
    Organisationen wie der Deutsche Hanfverband bewerten die Entwicklung überwiegend positiv, plädieren aber für weitere Reformschritte.

 

🧭 Fazit: Entwicklung sichtbar – Bewertung bleibt offen

Der zweite EKOCAN-Zwischenbericht zeigt, dass die Cannabis-Teillegalisierung erste strukturelle Veränderungen im Markt bewirkt hat. Legale Bezugsquellen gewinnen an Bedeutung, ohne dass ein sprunghafter Anstieg des Konsums festgestellt wurde.

Gleichzeitig bestehen weiterhin Herausforderungen – insbesondere bei der praktischen Umsetzung, der Regulierung einzelner Bereiche und der Versorgung im Gesundheits- und Präventionssystem.

Eine abschließende Bewertung bleibt daher weiterhin offen und wird erst mit der vollständigen Evaluation bis 2028 erwartet.

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